Der Markt wächst - aber langsam
KI Software für die Psychotherapie ist ein noch junges Feld. Anders als in der somatischen Medizin, wo KI-gestützte Diagnostik schon Alltag wird, steckt der Bereich in der Psychotherapie noch in einer frühen Phase. Das liegt vor allem an den hohen Datenschutzanforderungen und der Komplexität therapeutischer Prozesse.
Trotzdem gibt es inzwischen mehrere Anbieter, die konkrete Probleme lösen: von der Sitzungsdokumentation über die Transkription bis zur Berichterstellung. Und der Markt bewegt sich: Neue Anbieter kommen hinzu, bestehende erweitern ihre Funktionen.
Drei Kategorien von KI Software
Die meisten Tools lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:
Dokumentationstools
Diese Tools zeichnen Sitzungen auf, transkribieren sie und erstellen automatisch Verlaufsnotizen. Das spart pro Sitzung mehrere Minuten. Anbieter in diesem Bereich sind unter anderem DokuDachs, PlaynVoice und DataWilTech.
Der typische Workflow: Du startest die Aufnahme, führst die Sitzung, und bekommst danach einen strukturierten Entwurf Deiner Verlaufsnotiz. Statt alles aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, prüfst und ergänzt Du nur noch.
Berichterstellungstools
Diese Tools helfen beim Schreiben von PTV3-Berichten an den Gutachter bzw. die Gutachterin. Sie nehmen Dir nicht die fachliche Arbeit ab, aber sie liefern einen strukturierten Entwurf, den Du anpassen kannst. BerichtBiber ist hier aktuell der spezialisierte Anbieter mit Unterstützung für alle vier Richtlinienverfahren.
Allround-Plattformen
Einige Anbieter versuchen, mehrere Funktionen unter einem Dach zu vereinen - etwa VIA HealthTech mit Aufzeichnung, Transkription und Berichterstellung. Der Vorteil: Alles kommt aus einer Hand. Der Nachteil: Spezialisierte Tools sind bei einzelnen Funktionen oft besser.
Was bei der Auswahl wichtig ist
Datenschutz und Verschlüsselung
Psychotherapie-Daten gehören zu den sensibelsten Daten überhaupt. Achte auf:
- Serverstandort: Deutschland oder EU ist Pflicht
- Verschlüsselung: Zero-Knowledge-Verschlüsselung bietet den höchsten Schutz - dabei können selbst die Betreiber Deine Daten nicht lesen
- AVV: Ein Auftragsverarbeitungsvertrag muss vorhanden sein
- Kein KI-Training mit Deinen Daten: Darauf solltest Du explizit achten
Verfahrensspezifität
Arbeitet das Tool mit Deinem Therapieverfahren? Ein VT-Bericht hat andere Anforderungen als ein TP-Bericht. Nicht alle Tools bilden das ab.
Preistransparenz
Einige Anbieter veröffentlichen ihre Preise (z. B. BerichtBiber 29 Euro/Monat, DokuDachs 44 Euro/Monat), andere nicht. Rechne Dir aus, wie viel Zeit Du pro Monat sparst: Wenn ein Tool Dir pro Sitzung 10 Minuten spart und Du 25 Sitzungen pro Woche hast, sind das über 4 Stunden pro Woche.
Unser Vergleich
Schau Dir unsere Vergleichstabelle an, um die einzelnen Tools im Detail zu vergleichen. Wir aktualisieren die Daten regelmäßig und kennzeichnen unsere eigenen Produkte transparent.
Welche Kategorie passt zu welchem Problem?
Die wichtigste Frage ist nicht “Welches Tool hat die meisten Funktionen?”, sondern “Welcher Arbeitsschritt kostet mich regelmäßig Zeit?” Daraus ergibt sich die passende Kategorie:
- Wenn Du nach jeder Sitzung zu lange an Verlaufsnotizen sitzt, brauchst Du ein Dokumentationstool mit Aufzeichnung, Transkription und Zusammenfassung.
- Wenn Du vor allem PTV3-Berichte aufschiebst, ist ein spezialisiertes Berichtstool sinnvoller als eine reine Transkriptionslösung.
- Wenn Du beides brauchst, lohnt sich ein Kombipaket oder eine Plattform, die Dokumentation und Berichterstellung sauber trennt.
- Wenn Du nur gelegentlich Formulierungen suchst, reicht oft ein allgemeines Tool ohne Patient:innendaten.
Viele Praxen überschätzen Allround-Lösungen. Breiter Funktionsumfang klingt attraktiv, aber im Alltag zählt, ob die eine Funktion, die Du ständig brauchst, wirklich gut ist.
Testen mit fiktiven Fällen
Bevor Du echte Patient:innendaten nutzt, solltest Du jedes Tool mit fiktiven oder vollständig anonymisierten Fällen testen. Achte dabei auf drei Ebenen:
- Fachliche Qualität: Sind die Ergebnisse konkret, verfahrensspezifisch und plausibel?
- Workflow: Kommst Du schnell vom Entwurf zur finalen Dokumentation im PVS?
- Datenschutz: Sind AVV, Serverstandort, Löschkonzept und Verschlüsselung nachvollziehbar?
Wenn ein Tool schon mit fiktiven Fällen unklare oder zu generische Texte liefert, wird es im echten Praxisalltag selten besser. Wenn es dagegen bei Testfällen gute Struktur liefert, lohnt sich ein genauerer Blick auf Datenschutz und Kosten.
Warum spezialisierte KI oft besser ist als ChatGPT
Allgemeine Chatbots können gut formulieren, aber sie kennen Deinen Praxisworkflow nicht. Sie fragen nicht automatisch nach fehlenden Angaben, unterscheiden Verfahren nur dann sauber, wenn Du sie ausführlich anleitest, und sind für echte Patient:innendaten meist ungeeignet. Mehr dazu findest Du auf unserer Seite zu ChatGPT in der Psychotherapie.
Spezialisierte KI-Software ist enger, aber genau das ist der Vorteil: Sie bildet einen konkreten Ablauf ab, etwa PTV3-Bericht oder Sitzungsdokumentation. Dadurch entstehen weniger leere Prompts, weniger Copy-Paste und mehr reproduzierbare Qualität.